Verfasst von: Christoph | 12. Oktober 2009

NT Wright – Simply Christian IIIa

photocaseq6n78da83Im dritten Teil seines Buches „Warum Christsein Sinn macht“ wird Wright praktisch. Er beleuchtet die MainTopics des christlichen Lebens.

Mit Gottesdienst und Anbetung geht es los. Wenn ein Mensch eine Ahnung von Gott bekommt, dann ist die normale Reaktion immer Anbetung. Wer es nicht tut, ist Gott und seiner Geschichte mit der Welt nicht wirklich begegnet. Anhand Offb.4+5 entfaltet Wright sein Verständnis von Anbetung: es geht darum, den WERT Gottes anzuerkennen und sich einzuklinken in das Lob, das der Himmel und auch die Schöpfung Gott ständig entgegenbringt. Als Bild für Anbetung nennt Wright ein Konzert, in dem uns Musik derart überwältigt, dass Menschen am Ende in StandingOvations ihre Bewunderung ausdrücken. „Alle die dabei sind, fühlen, dass sie über sich hinausgehoben werden. Irgendetwas geschieht mit ihnen. Sie sind sich auf eine neue Art und Weise der Dinge um sie herum bewusst. Die ganze Welt sieht anders aus. Es ist ein wenig wie verlieben. Es ist in der Tat eine Art des Verliebens.“ Und weil uns Anbetung immer dem ähnlicher macht, was wir anbeten, macht Anbetung Gottes uns immer mehr wahrhaft menschlich, denn wir sind als Gottes Ebenbilder geschaffen. Anbetung liegt deshalb im Zentrum christlichen Lebens.

Wright verwendet dann noch einige Seiten um den Wert von Schriftlesungen im Gottesdienst zu betonen (und zu begründen!) und beschreibt dann auch das Abendmahl als einen wichtigen Schlüsselmoment von Gottesdienst und Anbetung.

Der zweite Ausdruck christlichen Lebens ist das Gebet. Wright stellt das Vater-Unser in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Mit diesem Gebet gibt sich der Mensch mitten hinein in die Reich-Gottes-Bewegung, die Gott durch Christus in dieser Welt vorantreibt. Das Vater-Unser verdichtet alles, was Gebet umfasst. Christen beten, weil sie „am Punkt der Überlappung von Gottes Zukunft und der Gegenwart dieser Welt“ leben. Der Christ steht da, wo sich die „tektonischen Platten, Himmel und Erde, Zukunft und Gegenwart, aneinander reiben“ und Erdbeben vorkommen. Der Christ ist in Gottes Angelegenheiten verwickelt und das Gebet ist Ausdruck der menschlichen Involviertheit in göttliche Taten.

Gebet lohnt sich, weil Himmel und Erde nicht dasselbe sind (für einen Pantheisten läge der Sinnvon Gebet nur im Einklang mit mit Selbst und der Welt um mich her). Gebet lohnt sich, weil der Himmel aber auch nicht weit weg ist (für einen Deisten ist Gebet die Anrufung eines weit entfernten Gottes). Gebet lohnt sich, weil der Himmel ganz nah ist.

Wright legt dem Leser ausdrücklich den Schatz vorformulierter Gebete ans Herz und kritisiert ein Gebetsleben, das immer nur auf die eigenen „authentischen“ Gedanken zurückgreift. „Aus den Tiefen des Herzens steigen viele Dinge auf, und Jesus hat darauf hingewiesen, dass diese Dinge vielleicht authentisch sein mögen, aber oft nicht sehr erquicklich sind.“ Wir brauchen – neben dem frei formulierten Gebet – auch Gebete wie das Vater-Unser, um nicht zeitlebens auf die eigenen Worte zurückgeworfen zu sein.

Das nächste Kapitel dreht sich im die Bibel und ihre Inspiration. Wright versteht es, dem Leser das berühmteste Buch der Welt sowohl in seiner sympatischen Menschlichkeit als auch in seiner atemberaubenden Göttlichkeit nahe zu bringen. Er bietet zunächst einige Fakten zu Entstehung und Aufbau der Bibel und versteht es dann excellent, den umstrittenden Begriff der Inspiration zu beleuchten. Wright ist kein Bibel-Fundi, aber ein großer Bibel-Liebhaber. Die Bibel ist wie eine musikalische Komposition, wie ein Bühnenstück, wie ein (unvollendeter) Roman Gottes. Die letzten Seiten haben wir mit unserem Leben zu füllen, der letzte Akt wird jetzt gespielt.

Die Bibel erzählt, „was bisher geschah“. Die Bibel ist ein Ort, an dem sich Himmel und Erde überlappen. Menschliches und Göttliches ist darin nicht zu trennen. Die Bibel ist Gottes Wort, aber in und durch Menschenwort – mit allem, was dies an „Menschlichkeit“ mit sich bringt. Wright wendet sich gegen ein verbalinspiriertes Verständnis, vor allem deshalb, weil die Rede von der Unfehlbarkeit der Schrift dem eigentlichen Charakter des Buches nicht gerecht wird. „Die Ironie beseteht (…) darin, dass die Debatten um solche Wörter Menschen häufig von der Bibel selbst weg zu allen möglichen Theorien geführt haben, die der Schrift als ganzes nicht gerecht werden – ihrer großartigen Story, ihren großartigen Absichten, ihrem nachhaltigen Höhepunkt, ihrer eindringlichen Art, uns wie ein unvollendeter Roman zu verlocken, selbst zu Charakteren in den Schlusskapiteln zu werden. Das Beharren auf einer „unfehlbaren“ oder „fehlerlosen“ Bibel wuchs stattdessen auf einem komplexen kulturellen Mutterboden (…), auf dem die Bibel als Bastion der Orthodoxie gegen den römischen Katholizismus einerseits und gegen den Liberalismus andererseits angesehen wurde. Unglücklicherweise stammen die Bedingungen für diese Debatte aus den Annahmen gerade dieser beiden Welten. Es ist kein Zufall, dass das protestantische Beharren auf der biblischen Unfehlbarkeit genau zu der Zeit aufkam, als Rom auf der päpstlichen Unfehlbarkeit bestand. Es ist auch kein Zufall, dass der Rationalismus der Aufklärung selbst diejenigen infizierte, die gegen ihn kämpften.“

Es folgt der letzte Teil … sobald ich die Zeit finde. :-)

Verfasst von: Christoph | 28. September 2009

NT Wright – Simply Christian II/b

Christus_Ravenna_MosaicDie Story Gottes kommt zu ihrem Höhepunkt. Was die Welt ersehnt, geschieht . In der Person Jesus von Nazareth treffen Himmel und Erde ein für alle  mal zusammen.

Jesus: Der Anbruch des Königreiches Gottes

Der christliche Glaube sieht im Kommen Gottes in Jesus von Nazareth die befreiende Antwort auf die menschlichen Lebens-Sehnsüchte. Alles dreht sich um Christus, in dessen Leben und Sterben Gott seine Verheißungen erfüllt und die große Wende in der Menschheitsgeschichte herbeiführt. Die Tür ist offen zu einer neuen Welt, die „tatsächlich ein Ort der Gerechtigkeit, Spiritualität, Beziehung und Schönheit ist.“ Wright betont, dass das Zentrum des christlichen Glaubens weder im moralischen Vorbild Jesu besteht, noch darin, in Jesus den Weg in den Himmel zu finden – sondern im Anbruch der Herrschaft Gottes auf Erden.

(In einem kleinen Exkurs geht Wright der Frage nach, ob und warum wir den Evangelien als den historischen Quellen für die Geschehnisse um Jesus und die frühe Kirche vertrauen können.)

Die zentrale Verkündigung Jesu lautete: Das Königreich Gottes ist nahe! Damit sprach er die leidenschaftliche Hoffnung des jüdischen Volkes an, die genau darauf sehnsüchtig warteten. Aber dass Gottes Rettungsaktion eine Rettungsaktion der etwas anderen Art sein würde, dass Gottes Reich nicht durch eine gewaltsame Revolution aufgerichtet würde, dass die Strategie Gnade statt Gerechtigkeit, Feindesliebe statt Rache, Niederlage statt Triumpf lauten würde – darauf war niemand vorbereitet.

Die Heilungen Jesu waren Zeichen dieser Botschaft. Sie machte anfassbar, was geschieht, wenn der Schöpfer des Lebens eine geschundene Welt befreit.

Jesu Geschichten malten in alltäglichen Bildern vor Augen, was geschieht, wenn der Himmel auf die Erde kommt.

Seine Predigten verdeutlichten drastisch, wie deutlich sich Gottes Gerechtigkeit von der unseren unterscheidet und wie radikal die Menschheit (auch das jüdische Volk) von einem zerstörerischen Weg umkehren muss.

Jesus: Rettung und Erneuerung

Was die Menschen erwartet hatten, war etwas anderes. Der „Messias“ würde 1. die Schlacht gegen die Römer schlagen und gewinnen; er würden 2. für die Wiederherstellung des Tempels sorgen und er würde 3. Gottes Repräsentant in Israel und vor der Welt sein – ein machtvoller König. Doch Jesus schien für keines dieser drei Ziel irgendwelche Pläne zu schmieden.

Ein leidender Retter war jedenfalls das genaue Gegenteil dessen, was man erwaretet. Und doch sah Jesus seine Berufung im leidenden Gottesknecht des Jesajabuches: „Gottes Plan der Rettung der Welt würde dadurch realisiert werden, dass das Böse dem Knecht, Jesus, das Schlimmste antat, was es zu bieten hat, und dass es dabei seine Kraft aushauchen würde.“

Nicht zufällig treibt Gott seine Story ausgerechnet zum Passahfest auf die Spitze. Ein Fest mit Symbolkraft. Das jüdische Fest der Befreiung aus Unterdrückung und Schmerz. Jesus sorgt während der Festwoche für Aufruhr. Mit einer dramatischen Symbolhandlung – der Tempelreinigung – fordert er „genau den Ort heraus, an dem Gott angeblich wohnte“. Das Passahmahl, die Feier des Exodus, deutet er um und bezieht es auf sein Leiden und Sterben. Ja, die messianische Schlacht würde geschlagen werden – aber nicht gegen Rom – sondern gegen das Böse, dass ihn überall hin verfolgt hatte. Und grade durch die Niederlage würde der Sieg zu finden sein.

Am Kreuz stirbt Jesus schließlich einen tragischen und brutalen Tod. „Die Schmerzen und Tränen alles Zeiten trafen auf Golgatha zusammen. Die Trauer des Himmels traf mit der Pein des Erde zusammen; (…) die Stimmen, deren Echos in Millionen menschlicher Herzen klingen, die nach Gerechtigkeit schreien, sich nach Spiritualität sehen, auf Beziehungen erpicht sind, nach Schönheit verlangen, ballen sich in einem letzten trostlosen Schreib zusammen.“

Im Kreuz sieht der Glaube den Angelpunkt, in dem sich die Tür der Weltgeschichte drehte und sich die Tür zu einer neuen Welt öffnete. Der Grund dafür liegt in Jesus Auferstehung. Hier sieht der Christ das Fundament für seinen Glauben an Gottes Sieg über das Böse, den Sieg des Lebens über den Tod.

„Als Jesus aus dem Grab hervortrat, feierten Gerechtigkeit, Spiritualität, Beziehung und Schönheit Auferstehung mit ihm. In und durch Jesus ist etwas geschehen; im Ergbnis ist die Welt eine andere geworden; ein Ort, an dem Himmel und Erde für immer verbunden wurden. Gottes Zukunft ist in die Gegenwart gekommen. Statt bl0ßer Echos hören wir die Stimme selbst: eine Stimme, die von der Rettung vom Bösen und vom Tod spricht und daher von einer neuen Schöpfung.“

Gottes Lebensatem

Gottes Geist ist seither die dauerhaft erfahrbare Gegenwart des lebendigen Gottes. Er verbindet Himmel und Erde, er macht glaubende Menschen zum Tempel Gottes, er führt und leitet uns auf unserem „Exodus“ in die Freiheit.

Der Geist Gottes befähigt diejenigen, die Jesus nachfolgen, schon heute Gottes Zukunft in der Gegenwart zu leben. Er befähigt Menschen, Gottes Volk zu sein und als seine Kirche die Botschaft von Gottes Reich in die Welt zu tragen. „Der Geist ist uns gegeben, damit wir, normale Sterbliche, bis zu einem gewissen Grad das werden können, was Jesus selbst war: Teil der Zukunft Gottes, die in der Gegenwart ankommt; ein Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren; das Mittel, durch das Gottes Königreich vorangetrieben wird.“

Vom Geist ergriffen leben

Wo der Mensch als Einzelner und als Gemeinschaft zum Tempel Gottes wird, da wird Gottes Wille (im Judentum: die Thora – das Gesetz) zum inneren Wunsch des Menschen nach einem geheiligten Leben. Was menschlicher Anstrengung niemals gelingt, macht Gottes Kraft im Menschen möglich: ein gerechteres, beziehungsfährigeres, liebevolleres Leben.

Der Geist Gottes macht Menschen zu Agenten der neuen Schöpfung, zu Werkzeugen, durch die die Botschaft vom neuen Leben in die Welt getragen wird. „Die Story der Kirche, von der Kraft des Geistes geleitet und angetrieben, ist die Story der fortgesetzten Taten und Lehre Jesu – aufgeführt durch sein geistreiches Volk.“

Der Geist Gottes selbst bietet eine Antwort auf die vier menschlichen Sehnsüchte: durch ihn wir die Schöpfung erneuert und eines Tages wird Schönheit die Zerstörung überwinden. Durch ihn wird eine neue Art von Beziehung zu anderen Menschen und sich selbst möglich. Durch Gottes Geist wird die spirituelle Suche nach Gott erfüllt und sein Geist ist es, der eine ungerechte Welt ins Lot bringen will und uns dazu herausfordert, aktiv zu werden.

Verfasst von: Christoph | 22. September 2009

NT Wright – Simply Christian II/a

AdamIm zweiten Teil seines Buches entfaltet Wright nun die große biblische Geschichte Gottes mit der Menschheit. Sympatischerweise beschreibt er diese Geschichte nicht als eine, die ein denkender Mensch zwingend glauben muss. Weder beweisen die vier menschlichen Sehnsüchte (siehe Teil I) die Existenz Gottes (gar des christlichen), noch hat sich Gott in dieser Geschichte derart offenbart, dass diese nun unbestreitbar wahr wäre.

Aber Wright erzählt eine Geschichte Gottes, die zutiefst Sinn macht und die tatsächlich eine glaubhafte Antwort auf unsere Sehnsüchte anbietet. Man kann sie in dieser Stroy als Echos einer Stimme wiedererkennen, die in einem Mann names Jesus von Nazareth am lautesten hörbar wurden.

Übrigens: ich halte die theologische Gesamtschau, die Wright über Altes und Neues Testament entwickelt, für eine der schlüssigsten und inspirierendsten, die in jüngerer Zeit entwickelt wurde. Hier hat jemand wirklich begriffen, worum es geht und versteht es, dies in einfachen – wenn auch nicht anspruchslosen – Worte zu beschreiben.

Ich habe den 2.Teil des Buches in a) und b) geteilt, sonst wird der Post viel zu lang.

Gott

In einem ersten Abschnitt fasst der Autor die drei gängigsten Gottesvorstellungen zusammen. Wie gesagt: unsere Sehnsüchte sind bestenfalls Hinweise auf eine transzendente Welt, sie führen aber nicht direkt zum christlichen Gott. Wirkliche Gotteserkenntnis ist nur auf einem Weg möglich: dass Gott sich seinerseits dem Menschen offenbart.

Genau dies, so die Behauptung des jüdischen und christlichen Glaubens, ist geschehen. Um es zu verstehen, muss zunächst klar sein, welche Gottesvorstellung, welches Verhältnis von Himmel und Erde hinter all dem steht.

Die erste weit verbreitete Vorstellung ist die des Pantheismus. Hier fallen Himmel und Erde ineinander. Alles ist göttlich. Gott und die Welt sind eins. Diese Vorstellung verlangt dem Menschen viel ab, da er letzlich auch in einer Mücke und Krebszellen das Göttliche sehen will. Eine Variante ist der Panentheismus, der Gott nicht in allen Dingen, aber alle Dinge in Gott sieht. Das große Problem dieser Gottesvorstellung: der Pantheismus wird nicht mit dem Bösen fertig. Es gibt keine Rettung aus unserer Misere. „Die Welt“ und „das Göttliche“ sind, was sie sind, und man gewöhnt sich am besten daran.“

Die zweite Gottvorstellung ist die des Deimus. Hier sind Himmel und Erde, göttliche und natürliche Welt streng getrennt und haben nichts miteinander zu tun. Die Götter interessieren sich nicht für uns, weder strafen sie, noch helfen sie. Der Deismus ist heute bei religiösen Menschen weit verbreitet: Gott sollte durchaus respektiert werden, aber er hat mit dem Alltag nichts zu tun. Möglicherweise hat er die Welt erschaffen, aber zu schaffen hat er heute nichts mit ihr. Das Problem des Deismus: ich muss mich den vier Sehnsüchten verschließen, denn sie sind keinesfalls Echos der Stimme Gottes. Wir sind allein hier unten…

Judentum+Christentum hingegen sind geprägt von einem dritten Ansatz: Himmel und Erde sind nicht deckungsgleich, aber sie greifen an vielen Punkten ineinander. Himmel und Erde sind getrennt, doch sie berühren sich dynamisch und vielfach. Menschen der Bibel „treffen“ Gott, im Zelt der Begegnung ist Gott anwesend, der Tempel wird als Haus Gottes verstanden. Die Schöpfung der Welt wird als das freie Ausströmen der Liebe Gottes erkannt und seither stehen Menschen und Gott in dynamischer Beziehung zueinander. In der Welt gibt es Zeichen seiner Gegenwart, Echos seiner Stimme. Und nicht zuletzt: diesen Gott lässt die Tatsache, dass die Welt im Argen liegt, alles andere als kalt.

Die Geschichte, die die Bibel erzählt, ist nur auf diesem dritten Hintergrund denkbar. Denn sie beginnt damit, dass Gott einen Menschen beruft – Abraham.

Israel

Natürlich steht im Zentrum des christlichen Glaubens die Person Jesu, doch ist die Bedeutung Jesu nicht ohne Gottes Geschichte mit dem jüdischen Volk zu begreifen, wie sie die alttestamentlichen Schriften erzählen. Wright umgeht eine Debatte um die Historizität der altisraelitischen Texte, indem er die jüdische Geschichte einfach so erzählt, wie sie zur Zeit Jesu erzählt und geglaubt wurde. Denn hier befinden wir uns auf sicherem Boden.

Der Himmel berührt die Erde, als Gott Abraham, den Urvater des jüdischen Volkes beruft und gleich hier wird schon deutlich, was das Ziel dieser göttlichen Mission ist: „alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden“. Um die Welt zu retten, schließt der Himmel einen Bund mit einem Menschen, gibt eine „Treueverpflichtung des Schöpfers“ an seine Geschöpfe. Die Vision einer neuen Welt wird formuliert, die die vier menschlichen Sehnsüchte aufgreift: eine gerechte Welt soll es sein, eine, in der Beziehung funktioniert, in der Schönheit bewahrt und ausgelebt wird und in der Gott und Mensch wieder als Partner interagieren.

Die Geschichte Israels ist allerdings eine, in der von Seiten der Menschen dieser Bund immer wieder gebrochen wird. Das Motiv des Weglaufens und Heimkommens durchzieht die Geschichte von Abraham über die Gefangenschaft in Ägypten, von Mose und dem Exodus über die Königszeit bis hin zum Exil in Babylon. Die Vision einer neuen Welt wird nicht zur Wirklichkeit und zum Ende des alten Testaments formiert sich die große Hoffnung, dass Gott – aus seinem Bund mit Israel heraus – neu handeln und seine Rettungsaktion vervollständigen wird.

Als das Volk in den letzten Jahrhunderten vor Christus zwar aus dem Exil heimgekehrt, aber nun Gefangener im eigenen Land ist und sich die Unterdrücker die Klinke in die Hand geben, nähren alte Verheißungen den Glauben, dass Gott eines Tages sein Volk rettet und sein Königreich endgültig aufrichten wird – durch einen Mann, der den Titel „der Menschensohn“ trägt.

Eines Tages wird ein wahrer König, der Gesalbte (Messias) Gottes, erstehen und er wird endlich Gerechtigkeit aufrichten. Er wird den zerstörten Tempel in seiner alten Pracht wieder aufrichten und so wieder echte Spiritualität ermöglichen. Er wird die  Thora, das Gesetz Gottes, durchsetzen und so menschliches Zusammenleben und gesunde Beziehung realisieren und nicht zuletzt wird durch ihn sogar ein ganz neuer Kosmos heraufgeführt, in dem Leben in Harmonie und Schönheit möglich ist.

Doch einige jüdische Propheten sehen vorher noch etwas merkwürdig anderes kommen. Ein letztes schockierendes Exil und die Rückkehr daraus steht noch vor dem Anbruch von Gottes Reich aus: der König wird (bei Jesaja) zum leidenden Knecht, der das Schicksal des ganzen Volkes auf sich nimmt und darunter zusammenbricht. „Das Rettungsboot läuft zur Rettung aus, und der Kapitain ertrinkt dabei. (…) Dies, so scheint es, ist der Weg, auf dem Gottes Rettungsoperation ausgeführt werden muss.“

Teil b) der Geschichte im nächsten Post.

Verfasst von: Christoph | 15. September 2009

NT Wright – Simply Christian I

simplychristianDas erste auf deutsch veröffentlichte Buch des Neutestamentlers N.T.Wright trägt den Titel „Warum Christ sein Sinn macht„. Entlockt dem eigentlich geneigten Leser dies schon ein müdes Gähnen, veranlasst die Covergestaltung den Betrachter zum entsetzten Kopfschütteln und mich dazu, lieber die englische Ausgabe hier abzubilden, um den Post nicht grafisch zu verschandeln. Wer’s nicht glaubt, kann sich hier ein Bild machen.

In der Tat spiegelt das grausige Äußere in keiner Weise den genialen Inhalt wieder, den der Autor auf den 230 Seiten entfaltet. Wright erinnert in seiner gewandt-intelligenten Gedankenführung an C.S.Lewis und in seiner gesellschaftlichen Relevanz an viele junge christliche Autoren, die – und das macht die Lektüre so spannend – direkt oder indirekt tatsächlich von Wrights theologischem Ansatz geprägt sind (Rob Bell, McLaren u.a.).

Es passiert nicht oft, dass die Lektüre eines Buches, das dir im Prinzip erklärt, was du schon weißt, derartig den Horizont erweitert.

In den folgenden drei Post gibt’s eine recht ausführliche Zusammenfassung, die das Selber-Lesen durchaus nicht überflüssig macht.

Teil 1: Vier Echos einer Stimme

Im ersten Drittel beschreibt Wright vier Sehnsüchte, die dem postmodernen (und wohl nicht nur diesem!) Menschen gemeinsam sind. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die Suche nach Spiritualität, den Hunger nach Beziehungen und die Freude an Schönheit. Man kommt beim Lesen nicht umhin, ihm mehr und mehr beizupflichten: in der Tat sind es diese vier, die menschenwürdiges Leben und erfülltes Sein ausmachen … ausmachen würden, muss man berichtigen, denn alle vier Bereiche erleben wir tragischerweise nur in ihrer Unvollkommenheit und Gebrochenheit. Wright stellt im ersten Teil die Frage: Könnten diese Sehnsüchte Echos einer Stimme sein, die ims immer aus der selben Richtung erreicht und die letztlich ein Hinweise auf Gott sein könnte?

1. Sehnsucht nach Gerechtigkeit: Wir alle wollen sie, oft vermissen wir sie, selten erleben wir sie. Erfahrene Ungerechtigkeit im Kleinen (Unfairness zwischen Kindern im Sandkasten) sowie im Großen (Systematische Gewalt brutaler Tyranneien) halten den Traum nach einer besseren Welt in uns wach und ersticken ihn gleichzeitig fast. Menschen verletzen Menschen auf grausamste Weise und kommen davon, Natur-Katastrophen vernichten Hunderte, ohne das man einen Schuldigen benennen kann, Schwache werden ausgebeutet und Betrüger werden reich und trotz aller rechtsstaatlicher Anstrengung und ziviler Courage bekommen wir die Sache nicht ins Lot. Etwas in dieser Welt ist auf eine scheußliche Art und Weise nicht in Ordnung.

Daneben erleben wir ab und zu auch den Triumpf der Gerechtigkeit. Mutige Menschen gründen soziale Projekte und stürzen Diktatoren. Wir sehen: es gibt Gerechtigkeit – und doch wissen wir genauso sicher: es gibt sie niemals dauerhaft.

Wie kommt es, dass wir alle uns so sehr nach einer besseren Welt sehnen und sie trotz Anstrengung doch nicht etablieren können und darüber hinaus noch erleben, dass die Grenze zwischen gerecht und ungerecht nicht zwischen uns und den anderen verläuft, sondern mitten durch unsere eigenen Herzen geht, da wir selbst oft ganz anders handeln, als wir es wollen und von anderen erwarten?

Ist der Traum von Gerechtigkeit wirklich nur ein fanstastischer Traum, den zu träumen illusorisch und naiv ist? Sollte er schnellst möglich begraben werden, um dieses Leben einigermaßen akzeptabel zu überstehen? Oder könnte die Sehnsucht nach Gerechtigkeit das Echo einer Stimme sein, die uns jemand „ins Ohr flüstert, jemand, der sehr um diese gegenwärtige Welt und um uns selbst besorgt ist“, jemand, der diese Welt als gute Welt geschaffen hat?

2. Suche nach Spiritualität

Unsere westliche Gesellschaft hat uns seit etwa 200 Jahren größtenteils zu aufgeklärten Materialisten erzogen, die Religion und Glauben im alltäglichen Leben maximal noch eine kleine Nebenrolle zugestehen. Spiritualität war out, der Sinn des Lebens musste im materiellen Diesseits gefunden werden (auch wenn man dies nur für den „Westen“ so sagen kann – in Asien, Afrika und Südamerika hat die Säkularisierung niemals in diesem Maße Fuß gefasst).

„Aber die Zeichen mehren sich, dass wir über diese Denkweise nicht mehr so glücklich sind.“ Ein ungeahntes Interesse nach Berührung mit einer größeren Welt und übernatürlichen Dimensionen flammt allerorten auf. Die Sparten „Religion und Esoterik“ in den Buchläden quillen über von Literatur, die reißenden Absatz findet. Menschen suchen an allen möglichen un unmöglichen Orten nach einem tieferen Sinn und Verbindung mit einer größeren Geschichte.

Ist das neue erwachte Interesse nach Spiritualität ein Hinweis darauf, dass dem Menschen ohne Gott (wobei „Gott“ hier noch alles meint, was man unter einer transzendenten Wirklichkeit verstehen kann) etwas fehlt? Etwas, dass nicht nur seiner Fantasie entspingt, sondern das real ist? Hat unsere Suche ihre Ursache darin, dass wir das Echo einer Stimme wahrnehmen, die uns tatsächlich ruft?

3. Hunger nach Beziehung

Trotz Scheidungraten, millionenfachen Enttäuschungen und zwischenmenschlichen Dramen bleibt eines ungebrochen: unser Hunger nach Beziehung. „Wir wurden füreinander geschaffen“ sagt die Liebe immer noch, auch wenn das Leben diese Aussage oft nach wenigen Jahren wieder zu revidieren scheint. Beziehung zu gestalten ist zweifellos eine der schwierigsten (nicht selten gar unerfüllbaren) Herausforderungen des Lebens und doch fühlen wir uns genau dazu berufen.

Nicht nur die intime Beziehung einer Partnerschaft, auch das weiter gefasste Zusammenleben der Menschen in Gemeinschaften und Staatsformen scheint zu oft zum Scheitern verurteilt bzw. gestaltet sich viel mühsamer, als wir angenommen hatten. Liebe zu ständig vom Zerbruch bedroht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und er kann nicht ohne Beziehung leben und so muss er neben dem Glück der Liebe auch die Tränen ertragen, die Beziehungen mit sich bringen, spätestens wenn der Tod sie zerstört.

„Wenn wir (…) tatsächlich wissen, dass wir für Beziehungen geschaffen wurden, und wenn wir gleichzeitig Beziehungen so schwierig finden, dann könnten wir dieses doppelte Wissen als ein weiteres Zeichen verstehen, das in dieselbe Richtung weist wie die beiden bereits untersuchten. Die Berufung zur Beziehung und der traurige Tadel für unser Versagen in Beziehungen können zusammen als Echo einer Stimme gehört werden. Die Stimme erinnert uns daran, wer wir wirklich sind. Sie könnte uns vielleicht sogar eine gewisse Rettung aus unserer misslichen Lage bieten.“

4. Freude an Schönheit

Die Welt ist voller Schönheit, aber wieder: die Schönheit ist unvollkommen. Sie zerinnt uns, kaum nehmen wir sie wahr, zwischen den Fingern. Je schöner der Augenblick, desto größer die durch sie geweckte Sehnsucht nach mehr. Und die Schönheit der großen Naturwunder gibt es nie ohne die Zerrissenheit des Todes: das Meer, das wir bewundern, hat Menschenleben verschlungen – das Naturschauspiel einer Lawine begräbt ein Dorf – majestätische Klippen wurden Kletterern zum Verhängnis und ein Löwe ist nur so lange ein schönes Tier, wie er dich nicht zwischen den Zähnen hat.

Obwohl Schönheit der Natur oder auch menschliche Kreativität ein Hinweis über sich hinaus sein kann und mancher sein Staunen über die Erhabenheit derselben eine religiöse Erfahrung nennt, ist die Schönheit allein kein direkter Zugang zu Gott. Die Annahme eines Schöpfergottes als Ursprung aller Schönheit ist nur eine Möglichkeit der Deutung, nicht die einzige. Gerade die Vergänglichkeit des Schönen und Erfahrung der hässlichen Seite des Lebens könnte auch genau den gegenteiligen Schluss nahe legen.

Doch zusammen mit den anderen dreien könnte auch die Schönheit erkannt werden als das Echo einer Stimme, die das GUTE ins Leben rief und eine Welt wiederherstellen möchte, die man rundum eine „sehr gute“ nennen könnte.

Vier hartnäckige Stimmen, die die Hoffnung wachhalten und dem Menschsein ihre Würde verleihen, und die doch nach Erklärung schreien, wollen wir nich an ihnen verzweifeln

Im zweiten Teil beschreibt Wright die christliche Story von Gott und der Menschheit, die – wenn sie Wahrheit für sich beanspruchen möchte – die vier genannten Sehnsüchte erfüllen und Sinn in diese großen menschlichen Fragen bringen müsste.

Verfasst von: Christoph | 16. August 2009

Eine zögerliche Vision für ein wildes Volk

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Ich habe nach etwas Suchen einen Luther-Text ausgegraben, von dem mir dunkel in Erinnerung war, das der gute „Junker Jörg“ hier eine Vision von Kirche formuliert hat, die beinahe freikirchlich klingt. Nun, ich muss nach erneutem Lesen sagen, sie klingt sogar nach einem Traum von einer Art Hauskirchenbewegung. Es klingt fast nach inkarnierender Kirche à la Frost/Hirsch. Es klingt gesellschaftstransformatorisch à la Johannes Reimer. Der Mann war nicht dumm … ohne Zweifel nicht.

Aus: Vorrede zur „Deutschen Messe“ (1526) in H.Fausel, „D. Martin Luther“, Band 2, Seite 125f

„Es gibt aber drei verschiedene Arten des Gottesdienstes und Messe: Erstlich: eine lateinische… [es folgt ein Abschnitt darüber, dass Luther diese Form beibehalten will]Zum anderen ist da die Messe und der Gottesdienst auf deutsch … [worunten Luther so eine Art SeakerService versteht] … Die dritte Weise dagegen, welche die rechte Art der evangelischen Ordnung haben sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz unter allerlei Volk geschehen, sondern diejenigen, welche mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Hand un Mund bekennen, müßten sich mit Namen einzeichnen und irgendwo in einem Haus allein sich versammeln, um zu beten, zu lesen, zu taufen, das Sakrament zu empfangen und andere christliche Werke zu üben. In dieser Ordnung könnte man die, die sich nicht christlich hielten, erkennen, rügen, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi Matth 18,15 ff. Hier könnte man auch den Christen eine gemeinsame Liebesgabe auflegen, die man freiwillig gäbe und unter die Armen austeilte nach dem Vorbild des Paulus 2 Kor 9,1. Hier brauchte man nicht viel und lang zu singen; hier könnte man auch eine kurze, feine Form für die Taufe und das Sakrament einführen und alles auf’s Wort und Gebet und die Liebe richten. Hier müßte man einen kurzen, guten Katechismus haben über den Glauben, die zehn Gebote und das Vaterunser. Kurz, wenn man die Leute und Personen hätte, die mit Ernst Christen zu sein  begehrten, – die Ordnungen und Formen wären bald geschaffen. Aber ich kann und mag noch nicht eine solche Gemeinde oder Versammlung ordnen oder einrichten. Denn ich habe noch nicht die Leute und Personen dazu; ebenso sehe ich auch nicht viele, die darnach verlangen. Kommt’s aber so weit, das ich’s tun muß und dazu gedrängt werde, daß ich’s mit gutem Gewissen nicht lassen kann, so will ich das Meine gerne dazu tun und, so gut ich vermag, helfen. (…) Es könnte sonst eine Sektiererei daraus werden, wenn ich’s nach meinem Kopf erzwingen wollte. Denn wir Deutschen sind ein wildes, ungeschliffenes, unbändiges Volk, mit dem nicht leicht etwas anzufangen ist, außer wenn die höchste Not treibt.“

Sehe ich das richtig, dass der gute Martin hier

1. eine Art missionale Untergrundbewegung andeutet?

2. alles, was Kirche zur Kirche macht (beten, lesen, taufen, Sakrament, christl. Werke) in eine Hauskirche verlagern will?

3. persönliche Heiligung an gemeinsames Leben knüpft?

4. diesen kleinen Gruppen eine sozialmissionarische Stosskraft zutraut, wenn jeder sich (auch finanziell) beteiligt?

5. für einen einfachen Gottesdienst plädiert, ohne großen (musikalischen) Aufwand?

6. eine simple Form von Jüngerschaftsprogramm vor Augen hat?

Und sehe ich das richtig, dass er es nur deshalb nicht umsetzte, weil ihm die Leute und – zwischen den Zeilen-  der Mut dazu fehlte? Ein wildes Volk könnte eine schräge Sache aus einer guten Idee machen – ja, diese Sorge ist leider nicht ganz unbegründet. :-)

Verfasst von: Christoph | 8. August 2009

Liebesbrief von Thomas D

Hat schon was, wenn jemand mit Sprache umgehen kann.

Es hat 9 Jahre gedauert, bis mir dieser Song unter die Ohren kam (durch zufälliges Reinzappen ins „Heimspiel“-Konzert vor kurzem). Naja, die Fantastischen 4 sind jetzt auch sonst nicht so total meins …

Manche seiner Gedanken sind beinahe religiös – was heißt, beinahe?

Verfasst von: Christoph | 4. August 2009

Männer

Drei Männer und ein Tag in Würzburg.

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Verfasst von: Christoph | 23. Juli 2009

No comment!

„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Jesus in Lukas 17,20b+21)

Verfasst von: Christoph | 20. Juli 2009

Siehst du deine Stadt? Eine Praxisidee zum Nachmachen

Es ist Freitagabend und es regnet. Das ist wohl der Grund, warum sich nur 12 Leute in einem kleinen Saal (Danke an die LKG!) in der Innenstadt treffen. Ihr Vorhaben: sie wollen sehend beten und betend sehen. Und zwar ihre Stadt. Die Stadt, in der sie leben und die sie doch nur so oberflächlich kennen.

P6027474Das ganze beginnt mit Bildern. Fotos, die die CityChurchler selbst geschossen haben. Die Stadt und ihre Menschen durch unsere Augen und Objektive gesehen. Dazu werden ein paar Fakten über unsere Stadt vorgelesen. Manches bekannt, manches neu. Grade hat eine MarketingAgentur diese Stadt unter die Lupe genommen und einen Slogan daraus entwickelt: „Würzburg – Provinz auf Weltniveau„. Drei Begriffe beschreiben nach Meinung der Werbeleute den Charakter dieser Stadt: Wissen – Kultur – Gesundheit.

P3075662Jetzt gehen die 12 los. Jeder mit einem anderen Ausschnitt der Google-Earth-Karte, jeder mit einem anderen Viertel dieser Stadt. Sie gehen los und beten sehend, sehen betend. Nehmen wahr. Versuchen, ihre Stadt zu sehen, wie Gott sie sieht. Der Sinn dahinter: Um zu wissen, was Gott in dieser Stadt tun will, müssen wir die Stärken und die Nöte dieser Stadt kennen. Wie sähe Würzburg aus, wenn hier das Reich Gottes noch konkreter Gestalt gewönne? Was würde Gott ändern, wäre er Oberbürgermeister dieser Stadt? Und: wo tut er es bereits? Gibt es hoffnungsvolle Zeichen? Begegnet uns das Reich Gottes schon, wenn wir nur die Augen aufmachen?

Darum begleiten die 12 folgende Fragen:

1.   Was ist beeindruckend an deiner Stadt? oder: Was gefällt Gott an Würzburg?

2.   Was macht dich traurig? oder: Wo sieht Gott Not?

3.   Wo begegnet dir Hoffnung in Würzburg? oder: Wo ist Gott bereits an der Arbeit?

Nach einer Stunde trifft man sich wieder. Jeder schreibt Worte für das nieder, was er gesehen hat, gelernt hat über seine Stadt. Jeder ordnet seine Worte drei Begriffen zu, die auf dem Boden in der Mitte liegen und sagt ein paar Sätze dazu.

Beeindruckend

Nöte

Hoffnung

Ein gemeinsamer Eindruck entsteht. Ein neues, tieferes Bild von unserer Stadt. Von ihrer Stärke und ihrem Schmerz. Und erste Hoffnung entwickelt sich, wie unsere Kirche die Ressourcen dieser Stadt nutzen und ihrem Schmerz begegnen könnte.

Macht’s mal nach. Ist ganz einfach!

Das Bild, dass sich an diesem Abend vor unsere Augen formte, sieht in etwa so aus:

1. Beeindruckend – Würzburg ist schön! Du nimmst Flair wahr, Architektur, Liebe zum Detail, Ambiente. Du nimmst Geselligkeit wahr, Lachen aus Kneipen, Musik, Lebensfreude, Genuss, Liebespaare. Du nimmst Ressourcen wahr, Reichtum, Bildung, Werte.

2. Nöte – Würzburg hat welche! Zwischen den Menschen, die das Leben genießen, gibt es eine Menge Einsamkeit und Isolation. Wer in einer solchen Stadt allein ist, ist furchtbar allein. Wer in einer reichen Stadt arm ist, ist furchtbar arm. Wer hier am Rand steht, hat nichts vom pulsierenden Leben. Und du siehst Sehnsucht nach Heilung und Veränderung. Es gibt eine Menge zweifelhafter Angebote in dieser Richtung: Heilungsräume, Sekten, Drogen.

3. Hoffnung – Würzburg hat Grund dazu! Es ist unübersehbar: Gott ist schon da! An jeder Ecke stehen Kirchen, an vielen Hauswänden Christusstatuen. Hinter vielem mag leere Religiosität und Tradition stecken, aber hier muss auch Hoffnung zu finden sein. Würzburg ist eine Stadt der Kirchen. Würzburg ist seit über 1500 Jahre von christlichen Werten geprägt. Ich bin sicher: Gott ist schon da und er hat ein paar Ideen, wie den Nöten zu begegnen wäre, wenn es nur Leute gäbe, die mithelfen würden.

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Verfasst von: Christoph | 17. Juli 2009

Generation X

Poesie – vorhin entdeckt:

Dass Gott da ist, haben wir geglaubt,

dass er nett ist, hat man uns gelehrt,

dass Jesus ein Flanellbild ist, haben wir mit eigenen Augen gesehen.

Dass andere anderes glauben, hat uns irritiert,

dass wir anders sind, haben wir gespürt,

dass die anderen überzeugt werden müssen, hat uns Druck gemacht.

Dass Christsein und Freiheit kollidieren, haben wir festgestellt,

dass Sex und Geld regieren, haben wir verdrängt,

dass das zur Doppelmoral führt, haben wir toleriert.

Dass Kirche OUT ist, haben wir durchlitten,

dass sie wieder IN wird, haben wir erhofft,

dass sie dafür neu erfunden wird, haben wir erstritten.

Dass wir die Welt mögen, haben wir mehr und mehr zugegeben,

dass Wahrheit relativ sein könnte, hat uns verunsichert,

dass Wahrheit relativ ist, ließ sich nicht mehr übersehen.

Dass Illusionen weit tragen können, hat uns Angst gemacht,

dass Glaube sich manipulierbar zeigte, machte uns vorsichtig,

dass Papier geduldig ist, flößte uns Skepsis ein.

Und nun – glauben wir noch?

(Verfasser unbekannt)

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