Verfasst von: Christoph | 23. November 2009

9 LebensMuster

Nach 11 Monaten Entwicklung stehen sie endlich: die LebensMuster. 9 Bilder, die 9 elementare Wege beschreiben, wie der Glaube im Alltag  seine verändernde Kraft entwickelt. Wir glauben: diese 9 schlichten Muster, ins eigene Leben integriert, führen zu gesundem persönlichen Wachstum und einer vitaleren Kirche. Das bestechende daran: sie sich einfach … sehr einfach!

1. Die Triangel - das Leben eines Glaubenden umfasst 3 Beziehungsebenen: nach Oben (UP), nach Innen (IN) und nach Außen (OUT). Diese drei gilt es in Balance zu halten.

2. Der Weg - das Leben besteht aus Erfahrungen, guten und schlechten. Mit Gott leben bedeutet: Erfahrung reflektieren, Gottes Stimme darin hören, vom Leben lernen, Reife erlangen.

3. Die Schaukel – es gibt den ewigen LebensRhythmus zwischen Ruhe und Aktivität. Um zu wachsen, müssen wir lernen, unsere Kraft aus der Stille zu schöpfen. Stress ist einer der größten Feinde gesunden Lebens.

4. Die Telefonzelle - Christus empfahl uns, ein einfaches Gebet ins Leben zu integrieren. Das VaterUnser dienst als Modell für ein betendes Leben, das wieder neu lernt, sich zur Kommunikation mit Gott zurückzuziehen und dafür mal die Tür hinter sich zu schließen.

5. Das Brot - ein Jesus-Nachfolger lernt, sich selbst zu ernähren. Sein wichtigsten LebensMittel ist die Bibel. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

6. Der Staffelstab - eine vitale Bewegung lebt vom Weitergeben-Prinzip. Was du kannst, weißt und bist, multipliziert sich in der nächsten Generation. Menschen fördern muss zum GrundMuster jedes Christen werden.

7. Das Mosaik – im Reich Gottes wird aus Lebensscherben verschiedener Menschen ein wunderschönes Bild. Seinen Platz zu finden, seine Berufung zu entdecken, seine Aufgabe auszufüllen verleiht Sinn.

8. Die Tür - das Reich Gottes breitet sich aus, wenn Christus-Kenner durch offene Türen gehen, Leben teilen und Gottes Liebe in die Lebensräume dieser Gesellschaft tragen.

9. Der Organismus - alles ist vergeblich ohne die LebensKraft, die wir Geist Gottes nennen. Dieser LebensKraft müssen wir Raum geben. Wie das geht, kann man sich bei jedem lebendigen Organismus der Natur abschauen.

(Die LebensMuster sind inspiriert von den LifeShapes, die Mike Breen entwickelte.)

Verfasst von: Christoph | 16. November 2009

Ein Chromosom mehr

Zwölf Jahre ist es her, dass wir Carolin und David in Cuxhaven kennen lernten und unsere gemeinsame Zeit meistens mit Lachen verbrachten. Gestern treffe ich sie seit Jahren mal wieder. Sie sind immer noch Leute, in deren Gegenwart sich das Leben leichter anfühlt. Und inzwischen sind sie Familie und 3 quirlige Kids tollen durch ihr Haus. Zwei von ihnen haben das Down-Syndrom. Caro und David haben sie als Babys aufgenommen. Die Jungs sind klasse. Der Kleinste erobert das Herz des Besuchers (in diesem Fall ich) schon mit dem ersten schelmischen Blick an der Haustüre.

Was in Cux noch ein Traum war, hat David mittlerweile realisiert: die Gründung eines Verlages. Findet sich das kleine Logo des Neufeld-Verlages auf einem Buch, kannst du sicher sein, ein wirklich gutes Buch in Händen zu halten – in Worten: ein wirklich gutes Buch!

Für eine seiner Neuerscheinungen sei hier mit ein paar Textauszügen von der Page des Neufeld-Verlages geworben:

neufeld-verlag_a-little-extra_wenk_cover_highMit dem Wandkalender „A little extra 2010“ hat Fotografin Conny Wenk wunderbare Mutmach-Bilder von außergewöhnlichen Kindern und Jugendlichen zusammengestellt, die über ein Chromosom mehr verfügen als die meisten Menschen. Sie haben Down-Syndrom, und das bedeutet häufig zu allererst: mehr Lebensfreude, mehr Leichtigkeit, mehr Unbekümmertheit, mehr Liebe und mehr Glück …

DIE ZEIT titelte im März dieses Jahres: „Die trotzdem Geborenen: Menschen
mit Down-Syndrom haben bessere Lebenschancen als je zuvor – wenn sie sie denn bekommen“. Tatsächlich werden etwa in Deutschland die meisten Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben, wenn man sie im Rahmen der Pränataldiagnostik vermutet.

Ich denke an die vor Leben sprühenden Kids von Caro und David und daran, dass in dieser Familie nun wohl noch häufiger gelacht wird als damals in Cuxhaven und wünsche diesem Kalender und der damit verbundenen Botschaft weite Verbreitung. Bestellung am besten hier.

Verfasst von: Christoph | 10. November 2009

NT Wright – Simply Christian IIIb

Unter der Überschrift Story und Auftrag entfaltet Wright sein Verständnis vom Einfluss der Bibel auf unser Leben und damit sein Verständnis von Nachfolge und bietet damit m.E. eine extrem hilfreiche Sicht auf das Wort Gottes und seine Übertragung in unser Leben an.

Die Autorität der Bibel liegt nicht in Verhaltensregeln und Anweisungen, die der Glaubende stur zu befolgen hat. Die Autorität liegt vielmehr in der großen Story Gottes mit der Welt, in der wir unsere Rolle spielen sollen. Es ist die Autorität eines Tanzes, zu dem wir aufgefordert sind, die Autorität einer Liebesgeschichte, in der wir gemeint sind. „Die „Autorität“ des Alten Testaments ist genau dieselbe „Autorität“, die eine bereits geschehene Szene in einem Roman besitzt – während wir nun in einer späteren Szene leben. Es ist von Bedeutung, dass die frühere Szene genau das war, was sie war – aber sie hat ihren Dienst getan und uns zur nächsten Szene geführt, in der sich die Dinge deutlich verändert haben.“ Damit sind wir angehalten, die früheren Szenen der Story zu verstehen und in Fortführung des Erzählstranges zu leben, doch selten geschieht dies in simpler Wiederholung dessen, was bereits geschah. Statt dessen ist unser Auftrag, in die Story einzutauchen und Teil des Veränderungsprozesses zu werden, den Gott in dieser Welt durchführt. Mit anderen Worten: wir sollen den letzten Akt eines Stückes spielen, von dem wir die bisherigen kennen und durch sie den Autor des Werkes kennen.

Wright betont deshalb den Wert des Lesens der Schrift, um Gottes Reden in ihr zu vernehmen und heute in seinem Auftrag leben zu können. In einem längeren Abschnitt über die Interpretation der  Bibel stellt Wright die alte Polarisierung zwischen „metaphorischer“ und „wörtlicher“ Auslegung der Schrift als Unsinn heraus. Denn beides ist in der Bibel zu finden: Worte, die exakt so gemeint sind, wie sie dort stehen, sowie Worte, die bildlich gemeint und verstanden werden müssen. Es ist Aufgabe sorgfältiger Auslegung, eines vom anderen zu unterscheiden und beides auf unsere Realität zu übertragen.

Das vorletzte Kapitel seines Buches widmet der Autor der Kirche, die er mit zwei Bildern umschreibt. Zum einem ein Baum, der sich von einem Stamm (Christus) in viele unterschiedliche Denominationen verzweigt, zum anderen ein Fluss, bei dem sich das Wasser aus verschiedenen Richtungen zu einem Strom (Volk Gottes) vereint. Die Kirche ist eine „multiethnische Familie“, eine unterstützende Gemeinschaft mit der „Mission“, der Welt die Herrschaft Christi zu verkündigen. Die Kirche hat einen dreifachen Sinn: 1. Gott anzubeten, 2. in der Welt für sein Reich zu arbeiten, 3. einander in einer starken Gemeinschaft zu unterstützen. Diese drei Aufträge hängen voneinander ab, keiner kann für sich allein verwirklicht werden.

In einem Abschnitt widmet sich Wright der „Bekehrung“, ohne dieses Wort dafür zu gebrauchen. Ein hilfreicher Vergleich für das Zum-Glauben-Kommen ist das Bild vom Aufwachen. Menschen wachen unterschiedlich auf. Die einen plötzlich und schnell, sobald der Wecker klingelt, die anderen nach und nach – sie schweben vor dem Aufstehen lange in einem Dämmerzustand zwischen Schlaf und Wachsein. Worauf es aber ankommt ist, DASS ein Mensch erwacht, ob es nun plötzlich oder prozesshaft geschieht. Dieses Aufwachen ist ein Auferstehen zum Leben, zum „vollständigen, echten, herrlichen Menschsein“.

Für die neue Welt wach zu werden bedeutet zum einen, der Botschaft von Jesus zu glauben, wobei Glauben hier nicht zuerst ein Für-Wahr-Halten ist, sondern vielmehr ein Vertrauen in eine Story, die Sinn macht und Sinn gibt. Es ist ein Wiedererkennen der Stimme, die uns in unseren Sehnsüchte schon lange ruft. Wer diesem Ruf folgt, bemerkt schon bald die Diskrepanz des eigenen Lebens zu dem, was Gott Gerechtigkeit, Schönheit, Spiritualität und Beziehung nennt und darum hört ein Mensch diesen Ruf Gottes immer auch als Einladung zur Vergebung. Gleichzeitig wird der Ruf zu einem Ruf zum Gehorsam, denn das neue Leben soll und kann gelebt werden. „Wenn du an diesen Punkt gelangst, wirst du das Abzeichen tragen (…), dass dich als Teil der Kirche bezeichnet. Du bist dann auf einer Ebene mit allen anderen Christen, die jemals gelebt haben. Du entdeckst, was es heißt, in Gottes neuer Welt aufzuwachen. Mehr noch: Du bist ein klarer Beweis, dass ein neue Leben begonnen hat. Irgendwo in der Tiefe deines Wesens ist etwas in dein Leben getreten, das vorher nicht da war. Aus diesem Grunde griffen die ersten Christen zur Sprache von der Geburt.

Am Ende des Kapitel beschriebt Wright die Taufe als Beginn des neuen Lebens. Leider schweigt er sich über die Frage aus, ob die Taufe von Säuglingen dem Wesen des Glaubensbeginns entspricht.

Letzes Kapitel: Die neue Schöpfung. Wright betont, dass es beim christlichen Glauben nicht darum geht, in den Himmel zu kommen, sondern darum, dass der Himmel auf die Erde kommt. Und dies wird am Ende der Zeit geschehen. Unser Ziel ist kein körperloser Zustand freischwebender Seelen im Jenseits, sondern die Auferstehung in einer neuen realen Welt, einer neuen Schöpfung, in der Christus regiert und Himmel und Erde verschmolzen sind.

Bis dahin lebt die Kirche in der Erwartung dieser Zukunft Gottes. Und wieder einmal bemüht Wright die drei grundsätzlich verschiedenen Vorstellung von Gott und seiner Beziehung zu Welt, um zu zeigen, dass unsere Vorstellung vom „Himmel“ sehr stark unser Leben im Hier und Jetzt prägt. Der Pantheist, der Himmel und Welt „ineinander“ denkt, wird versuchen, im Einlang mit der Natur und der geschöpflichen Ordnung zu leben. „Die ist jedoch nicht der Weg zu einer vollständigen christlichen Moral und Ethik.“ Der Deist, der Himmel und Welt als strikt voneinander getrennt denkt, versteht Moral als die Einhaltung der Regeln einer fernen Gottheit und sieht in der Sünde die Brechung dieser Regeln. Im christlichen Weltbild hingegen überlappen sich Himmel und Welt – vor allem und endgültig in Christus. In ihm verzahnen sich Himmel und Welt, ja, in Christus ist Gottes Zukunft bereits in der Gegenwart angekommen, und zwar real und erfahrbar im Wirken des Heiligen Geistes. So lebt der Christ ein vom Geist Gottes gestaltetes Menschsein. Er lebt schon jetzt das, was eines Tages vollständig Wirklichkeit wird, wenn Gottes neue Welt kommt. „Es geht darum, in der Gegenwart die Melodien einzuüben, die wir in Gottes neuer Welt singen werden.“

Auf dieser Pilgerreise wird ein Christ Entsagungen und Entdeckungen erleben. Entsagungen, weil diese Welt an vielen Stellen nicht im Einklang mit Gottes Willen steht und ein Christ dazu nur „Nein“ sagen kann. Entdeckungen, weil die neue Schöpfung das „Gute“ der gegenwärtigen Welt bestätigen und das vom „Bösen“ korrumpierte erlösen wird. Als neuer Mensch zu leben bedeutet, die erneuerte Schöpfung vorwegzunehmen mitten in einer Welt, die sich immer noch nach Erlösung sehnt.

Zwischen Gutem und Bösem zu unterscheiden ist keine leichte Aufgabe. „Dazu braucht man Nerven aus Stahl und sorgfältiges Suchen nach Weisheit“, die in Leben und Lehre Jesu, in der Leitung des Geistes, der Gemeinschaft der Christen und anderen Quellen zu finden ist. Die Kunst, Christ zu sein, hat mit aufmerksamem Hören und weisem Abwägen zu tun, doch hier spielen nun auch die „Regel“ eine Rolle, die ja auch im Neuen Testament durchaus zu finden sind.

Zum Schluss wendet sich Wright nochmals den vier Sehnsüchten zu, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zogen und zeigt auf, dass der Glauben einen völlig neuen Weg beschreiten, um Gerechtigkeit, Beziehung und Schönheit zu verwirklichen. Der Weg zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit kann nur eine gewaltloser Weg sein, in dessen Mittelpunkt Vergebung und Versöhnung steht. Die Kirche muss aufstehen und für Gerechtigkeit kämpfen – es gibt konkrete Wege, die sie gehen kann.

Die Kirche ist außerdem aufgerufen, ein neues Modell von Beziehung vorzuleben und Standarts zu setzen, wie Beziehungen gelingen können. Der Weg zur Liebe führt über Freundlichkeit und einen anderen Umgang mit unserem Ärger. Denn in einer Welt wie dieser wird man täglich ärgerlich – darum muss die Vergebung „jeden Tag auf der Speisekarte stehen.“ In diesem Zusammenhang nennt Wright auch die Sexualtität und spricht sich klar für die biblische Beschränkung ausgelebter Sexualität auf die Ehe aus.

Zum Ende des Buches fordert Wright die Kirche auf, „ihren Hunger nach Schönheit auf allen Ebenen“ wiederzubeleben. Er bezeichnet Kunst als die „Autobahn ins Zentrum einer Wirklichkeit, die auf keinem anderen Weg erahnt, geschweige denn begriffen werden kann.“ Denn Kunst ist eine Vorahnung vom Himmel.

So entseht eine erlösende Spiritualität im Licht der anbrechenende neuen Welt Gottes. „Es ist Zeit, dass wir in der Kraft des Geistes unsere eigentliche Rolle übernehmen, unsere vollständige menschliche Rolle. Wir sind Agenten, Herolde und Treuhänder des neuen Tages, der anbricht. Das, in aller Schlichtheit, bedeutet es, Christ zu sein, Jesus in die neue Welt zu folgen, in Gottes neue Welt, die er uns eröffnet hat.“

Verfasst von: Christoph | 12. Oktober 2009

NT Wright – Simply Christian IIIa

photocaseq6n78da83Im dritten Teil seines Buches „Warum Christsein Sinn macht“ wird Wright praktisch. Er beleuchtet die MainTopics des christlichen Lebens.

Mit Gottesdienst und Anbetung geht es los. Wenn ein Mensch eine Ahnung von Gott bekommt, dann ist die normale Reaktion immer Anbetung. Wer es nicht tut, ist Gott und seiner Geschichte mit der Welt nicht wirklich begegnet. Anhand Offb.4+5 entfaltet Wright sein Verständnis von Anbetung: es geht darum, den WERT Gottes anzuerkennen und sich einzuklinken in das Lob, das der Himmel und auch die Schöpfung Gott ständig entgegenbringt. Als Bild für Anbetung nennt Wright ein Konzert, in dem uns Musik derart überwältigt, dass Menschen am Ende in StandingOvations ihre Bewunderung ausdrücken. „Alle die dabei sind, fühlen, dass sie über sich hinausgehoben werden. Irgendetwas geschieht mit ihnen. Sie sind sich auf eine neue Art und Weise der Dinge um sie herum bewusst. Die ganze Welt sieht anders aus. Es ist ein wenig wie verlieben. Es ist in der Tat eine Art des Verliebens.“ Und weil uns Anbetung immer dem ähnlicher macht, was wir anbeten, macht Anbetung Gottes uns immer mehr wahrhaft menschlich, denn wir sind als Gottes Ebenbilder geschaffen. Anbetung liegt deshalb im Zentrum christlichen Lebens.

Wright verwendet dann noch einige Seiten um den Wert von Schriftlesungen im Gottesdienst zu betonen (und zu begründen!) und beschreibt dann auch das Abendmahl als einen wichtigen Schlüsselmoment von Gottesdienst und Anbetung.

Der zweite Ausdruck christlichen Lebens ist das Gebet. Wright stellt das Vater-Unser in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Mit diesem Gebet gibt sich der Mensch mitten hinein in die Reich-Gottes-Bewegung, die Gott durch Christus in dieser Welt vorantreibt. Das Vater-Unser verdichtet alles, was Gebet umfasst. Christen beten, weil sie „am Punkt der Überlappung von Gottes Zukunft und der Gegenwart dieser Welt“ leben. Der Christ steht da, wo sich die „tektonischen Platten, Himmel und Erde, Zukunft und Gegenwart, aneinander reiben“ und Erdbeben vorkommen. Der Christ ist in Gottes Angelegenheiten verwickelt und das Gebet ist Ausdruck der menschlichen Involviertheit in göttliche Taten.

Gebet lohnt sich, weil Himmel und Erde nicht dasselbe sind (für einen Pantheisten läge der Sinnvon Gebet nur im Einklang mit mit Selbst und der Welt um mich her). Gebet lohnt sich, weil der Himmel aber auch nicht weit weg ist (für einen Deisten ist Gebet die Anrufung eines weit entfernten Gottes). Gebet lohnt sich, weil der Himmel ganz nah ist.

Wright legt dem Leser ausdrücklich den Schatz vorformulierter Gebete ans Herz und kritisiert ein Gebetsleben, das immer nur auf die eigenen „authentischen“ Gedanken zurückgreift. „Aus den Tiefen des Herzens steigen viele Dinge auf, und Jesus hat darauf hingewiesen, dass diese Dinge vielleicht authentisch sein mögen, aber oft nicht sehr erquicklich sind.“ Wir brauchen – neben dem frei formulierten Gebet – auch Gebete wie das Vater-Unser, um nicht zeitlebens auf die eigenen Worte zurückgeworfen zu sein.

Das nächste Kapitel dreht sich im die Bibel und ihre Inspiration. Wright versteht es, dem Leser das berühmteste Buch der Welt sowohl in seiner sympatischen Menschlichkeit als auch in seiner atemberaubenden Göttlichkeit nahe zu bringen. Er bietet zunächst einige Fakten zu Entstehung und Aufbau der Bibel und versteht es dann excellent, den umstrittenden Begriff der Inspiration zu beleuchten. Wright ist kein Bibel-Fundi, aber ein großer Bibel-Liebhaber. Die Bibel ist wie eine musikalische Komposition, wie ein Bühnenstück, wie ein (unvollendeter) Roman Gottes. Die letzten Seiten haben wir mit unserem Leben zu füllen, der letzte Akt wird jetzt gespielt.

Die Bibel erzählt, „was bisher geschah“. Die Bibel ist ein Ort, an dem sich Himmel und Erde überlappen. Menschliches und Göttliches ist darin nicht zu trennen. Die Bibel ist Gottes Wort, aber in und durch Menschenwort – mit allem, was dies an „Menschlichkeit“ mit sich bringt. Wright wendet sich gegen ein verbalinspiriertes Verständnis, vor allem deshalb, weil die Rede von der Unfehlbarkeit der Schrift dem eigentlichen Charakter des Buches nicht gerecht wird. „Die Ironie beseteht (…) darin, dass die Debatten um solche Wörter Menschen häufig von der Bibel selbst weg zu allen möglichen Theorien geführt haben, die der Schrift als ganzes nicht gerecht werden – ihrer großartigen Story, ihren großartigen Absichten, ihrem nachhaltigen Höhepunkt, ihrer eindringlichen Art, uns wie ein unvollendeter Roman zu verlocken, selbst zu Charakteren in den Schlusskapiteln zu werden. Das Beharren auf einer „unfehlbaren“ oder „fehlerlosen“ Bibel wuchs stattdessen auf einem komplexen kulturellen Mutterboden (…), auf dem die Bibel als Bastion der Orthodoxie gegen den römischen Katholizismus einerseits und gegen den Liberalismus andererseits angesehen wurde. Unglücklicherweise stammen die Bedingungen für diese Debatte aus den Annahmen gerade dieser beiden Welten. Es ist kein Zufall, dass das protestantische Beharren auf der biblischen Unfehlbarkeit genau zu der Zeit aufkam, als Rom auf der päpstlichen Unfehlbarkeit bestand. Es ist auch kein Zufall, dass der Rationalismus der Aufklärung selbst diejenigen infizierte, die gegen ihn kämpften.“

Es folgt der letzte Teil … sobald ich die Zeit finde. :-)

Verfasst von: Christoph | 28. September 2009

NT Wright – Simply Christian II/b

Christus_Ravenna_MosaicDie Story Gottes kommt zu ihrem Höhepunkt. Was die Welt ersehnt, geschieht . In der Person Jesus von Nazareth treffen Himmel und Erde ein für alle  mal zusammen.

Jesus: Der Anbruch des Königreiches Gottes

Der christliche Glaube sieht im Kommen Gottes in Jesus von Nazareth die befreiende Antwort auf die menschlichen Lebens-Sehnsüchte. Alles dreht sich um Christus, in dessen Leben und Sterben Gott seine Verheißungen erfüllt und die große Wende in der Menschheitsgeschichte herbeiführt. Die Tür ist offen zu einer neuen Welt, die „tatsächlich ein Ort der Gerechtigkeit, Spiritualität, Beziehung und Schönheit ist.“ Wright betont, dass das Zentrum des christlichen Glaubens weder im moralischen Vorbild Jesu besteht, noch darin, in Jesus den Weg in den Himmel zu finden – sondern im Anbruch der Herrschaft Gottes auf Erden.

(In einem kleinen Exkurs geht Wright der Frage nach, ob und warum wir den Evangelien als den historischen Quellen für die Geschehnisse um Jesus und die frühe Kirche vertrauen können.)

Die zentrale Verkündigung Jesu lautete: Das Königreich Gottes ist nahe! Damit sprach er die leidenschaftliche Hoffnung des jüdischen Volkes an, die genau darauf sehnsüchtig warteten. Aber dass Gottes Rettungsaktion eine Rettungsaktion der etwas anderen Art sein würde, dass Gottes Reich nicht durch eine gewaltsame Revolution aufgerichtet würde, dass die Strategie Gnade statt Gerechtigkeit, Feindesliebe statt Rache, Niederlage statt Triumpf lauten würde – darauf war niemand vorbereitet.

Die Heilungen Jesu waren Zeichen dieser Botschaft. Sie machte anfassbar, was geschieht, wenn der Schöpfer des Lebens eine geschundene Welt befreit.

Jesu Geschichten malten in alltäglichen Bildern vor Augen, was geschieht, wenn der Himmel auf die Erde kommt.

Seine Predigten verdeutlichten drastisch, wie deutlich sich Gottes Gerechtigkeit von der unseren unterscheidet und wie radikal die Menschheit (auch das jüdische Volk) von einem zerstörerischen Weg umkehren muss.

Jesus: Rettung und Erneuerung

Was die Menschen erwartet hatten, war etwas anderes. Der „Messias“ würde 1. die Schlacht gegen die Römer schlagen und gewinnen; er würden 2. für die Wiederherstellung des Tempels sorgen und er würde 3. Gottes Repräsentant in Israel und vor der Welt sein – ein machtvoller König. Doch Jesus schien für keines dieser drei Ziel irgendwelche Pläne zu schmieden.

Ein leidender Retter war jedenfalls das genaue Gegenteil dessen, was man erwaretet. Und doch sah Jesus seine Berufung im leidenden Gottesknecht des Jesajabuches: „Gottes Plan der Rettung der Welt würde dadurch realisiert werden, dass das Böse dem Knecht, Jesus, das Schlimmste antat, was es zu bieten hat, und dass es dabei seine Kraft aushauchen würde.“

Nicht zufällig treibt Gott seine Story ausgerechnet zum Passahfest auf die Spitze. Ein Fest mit Symbolkraft. Das jüdische Fest der Befreiung aus Unterdrückung und Schmerz. Jesus sorgt während der Festwoche für Aufruhr. Mit einer dramatischen Symbolhandlung – der Tempelreinigung – fordert er „genau den Ort heraus, an dem Gott angeblich wohnte“. Das Passahmahl, die Feier des Exodus, deutet er um und bezieht es auf sein Leiden und Sterben. Ja, die messianische Schlacht würde geschlagen werden – aber nicht gegen Rom – sondern gegen das Böse, dass ihn überall hin verfolgt hatte. Und grade durch die Niederlage würde der Sieg zu finden sein.

Am Kreuz stirbt Jesus schließlich einen tragischen und brutalen Tod. „Die Schmerzen und Tränen alles Zeiten trafen auf Golgatha zusammen. Die Trauer des Himmels traf mit der Pein des Erde zusammen; (…) die Stimmen, deren Echos in Millionen menschlicher Herzen klingen, die nach Gerechtigkeit schreien, sich nach Spiritualität sehen, auf Beziehungen erpicht sind, nach Schönheit verlangen, ballen sich in einem letzten trostlosen Schreib zusammen.“

Im Kreuz sieht der Glaube den Angelpunkt, in dem sich die Tür der Weltgeschichte drehte und sich die Tür zu einer neuen Welt öffnete. Der Grund dafür liegt in Jesus Auferstehung. Hier sieht der Christ das Fundament für seinen Glauben an Gottes Sieg über das Böse, den Sieg des Lebens über den Tod.

„Als Jesus aus dem Grab hervortrat, feierten Gerechtigkeit, Spiritualität, Beziehung und Schönheit Auferstehung mit ihm. In und durch Jesus ist etwas geschehen; im Ergbnis ist die Welt eine andere geworden; ein Ort, an dem Himmel und Erde für immer verbunden wurden. Gottes Zukunft ist in die Gegenwart gekommen. Statt bl0ßer Echos hören wir die Stimme selbst: eine Stimme, die von der Rettung vom Bösen und vom Tod spricht und daher von einer neuen Schöpfung.“

Gottes Lebensatem

Gottes Geist ist seither die dauerhaft erfahrbare Gegenwart des lebendigen Gottes. Er verbindet Himmel und Erde, er macht glaubende Menschen zum Tempel Gottes, er führt und leitet uns auf unserem „Exodus“ in die Freiheit.

Der Geist Gottes befähigt diejenigen, die Jesus nachfolgen, schon heute Gottes Zukunft in der Gegenwart zu leben. Er befähigt Menschen, Gottes Volk zu sein und als seine Kirche die Botschaft von Gottes Reich in die Welt zu tragen. „Der Geist ist uns gegeben, damit wir, normale Sterbliche, bis zu einem gewissen Grad das werden können, was Jesus selbst war: Teil der Zukunft Gottes, die in der Gegenwart ankommt; ein Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren; das Mittel, durch das Gottes Königreich vorangetrieben wird.“

Vom Geist ergriffen leben

Wo der Mensch als Einzelner und als Gemeinschaft zum Tempel Gottes wird, da wird Gottes Wille (im Judentum: die Thora – das Gesetz) zum inneren Wunsch des Menschen nach einem geheiligten Leben. Was menschlicher Anstrengung niemals gelingt, macht Gottes Kraft im Menschen möglich: ein gerechteres, beziehungsfährigeres, liebevolleres Leben.

Der Geist Gottes macht Menschen zu Agenten der neuen Schöpfung, zu Werkzeugen, durch die die Botschaft vom neuen Leben in die Welt getragen wird. „Die Story der Kirche, von der Kraft des Geistes geleitet und angetrieben, ist die Story der fortgesetzten Taten und Lehre Jesu – aufgeführt durch sein geistreiches Volk.“

Der Geist Gottes selbst bietet eine Antwort auf die vier menschlichen Sehnsüchte: durch ihn wir die Schöpfung erneuert und eines Tages wird Schönheit die Zerstörung überwinden. Durch ihn wird eine neue Art von Beziehung zu anderen Menschen und sich selbst möglich. Durch Gottes Geist wird die spirituelle Suche nach Gott erfüllt und sein Geist ist es, der eine ungerechte Welt ins Lot bringen will und uns dazu herausfordert, aktiv zu werden.

Verfasst von: Christoph | 22. September 2009

NT Wright – Simply Christian II/a

AdamIm zweiten Teil seines Buches entfaltet Wright nun die große biblische Geschichte Gottes mit der Menschheit. Sympatischerweise beschreibt er diese Geschichte nicht als eine, die ein denkender Mensch zwingend glauben muss. Weder beweisen die vier menschlichen Sehnsüchte (siehe Teil I) die Existenz Gottes (gar des christlichen), noch hat sich Gott in dieser Geschichte derart offenbart, dass diese nun unbestreitbar wahr wäre.

Aber Wright erzählt eine Geschichte Gottes, die zutiefst Sinn macht und die tatsächlich eine glaubhafte Antwort auf unsere Sehnsüchte anbietet. Man kann sie in dieser Stroy als Echos einer Stimme wiedererkennen, die in einem Mann names Jesus von Nazareth am lautesten hörbar wurden.

Übrigens: ich halte die theologische Gesamtschau, die Wright über Altes und Neues Testament entwickelt, für eine der schlüssigsten und inspirierendsten, die in jüngerer Zeit entwickelt wurde. Hier hat jemand wirklich begriffen, worum es geht und versteht es, dies in einfachen – wenn auch nicht anspruchslosen – Worte zu beschreiben.

Ich habe den 2.Teil des Buches in a) und b) geteilt, sonst wird der Post viel zu lang.

Gott

In einem ersten Abschnitt fasst der Autor die drei gängigsten Gottesvorstellungen zusammen. Wie gesagt: unsere Sehnsüchte sind bestenfalls Hinweise auf eine transzendente Welt, sie führen aber nicht direkt zum christlichen Gott. Wirkliche Gotteserkenntnis ist nur auf einem Weg möglich: dass Gott sich seinerseits dem Menschen offenbart.

Genau dies, so die Behauptung des jüdischen und christlichen Glaubens, ist geschehen. Um es zu verstehen, muss zunächst klar sein, welche Gottesvorstellung, welches Verhältnis von Himmel und Erde hinter all dem steht.

Die erste weit verbreitete Vorstellung ist die des Pantheismus. Hier fallen Himmel und Erde ineinander. Alles ist göttlich. Gott und die Welt sind eins. Diese Vorstellung verlangt dem Menschen viel ab, da er letzlich auch in einer Mücke und Krebszellen das Göttliche sehen will. Eine Variante ist der Panentheismus, der Gott nicht in allen Dingen, aber alle Dinge in Gott sieht. Das große Problem dieser Gottesvorstellung: der Pantheismus wird nicht mit dem Bösen fertig. Es gibt keine Rettung aus unserer Misere. „Die Welt“ und „das Göttliche“ sind, was sie sind, und man gewöhnt sich am besten daran.“

Die zweite Gottvorstellung ist die des Deimus. Hier sind Himmel und Erde, göttliche und natürliche Welt streng getrennt und haben nichts miteinander zu tun. Die Götter interessieren sich nicht für uns, weder strafen sie, noch helfen sie. Der Deismus ist heute bei religiösen Menschen weit verbreitet: Gott sollte durchaus respektiert werden, aber er hat mit dem Alltag nichts zu tun. Möglicherweise hat er die Welt erschaffen, aber zu schaffen hat er heute nichts mit ihr. Das Problem des Deismus: ich muss mich den vier Sehnsüchten verschließen, denn sie sind keinesfalls Echos der Stimme Gottes. Wir sind allein hier unten…

Judentum+Christentum hingegen sind geprägt von einem dritten Ansatz: Himmel und Erde sind nicht deckungsgleich, aber sie greifen an vielen Punkten ineinander. Himmel und Erde sind getrennt, doch sie berühren sich dynamisch und vielfach. Menschen der Bibel „treffen“ Gott, im Zelt der Begegnung ist Gott anwesend, der Tempel wird als Haus Gottes verstanden. Die Schöpfung der Welt wird als das freie Ausströmen der Liebe Gottes erkannt und seither stehen Menschen und Gott in dynamischer Beziehung zueinander. In der Welt gibt es Zeichen seiner Gegenwart, Echos seiner Stimme. Und nicht zuletzt: diesen Gott lässt die Tatsache, dass die Welt im Argen liegt, alles andere als kalt.

Die Geschichte, die die Bibel erzählt, ist nur auf diesem dritten Hintergrund denkbar. Denn sie beginnt damit, dass Gott einen Menschen beruft – Abraham.

Israel

Natürlich steht im Zentrum des christlichen Glaubens die Person Jesu, doch ist die Bedeutung Jesu nicht ohne Gottes Geschichte mit dem jüdischen Volk zu begreifen, wie sie die alttestamentlichen Schriften erzählen. Wright umgeht eine Debatte um die Historizität der altisraelitischen Texte, indem er die jüdische Geschichte einfach so erzählt, wie sie zur Zeit Jesu erzählt und geglaubt wurde. Denn hier befinden wir uns auf sicherem Boden.

Der Himmel berührt die Erde, als Gott Abraham, den Urvater des jüdischen Volkes beruft und gleich hier wird schon deutlich, was das Ziel dieser göttlichen Mission ist: „alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden“. Um die Welt zu retten, schließt der Himmel einen Bund mit einem Menschen, gibt eine „Treueverpflichtung des Schöpfers“ an seine Geschöpfe. Die Vision einer neuen Welt wird formuliert, die die vier menschlichen Sehnsüchte aufgreift: eine gerechte Welt soll es sein, eine, in der Beziehung funktioniert, in der Schönheit bewahrt und ausgelebt wird und in der Gott und Mensch wieder als Partner interagieren.

Die Geschichte Israels ist allerdings eine, in der von Seiten der Menschen dieser Bund immer wieder gebrochen wird. Das Motiv des Weglaufens und Heimkommens durchzieht die Geschichte von Abraham über die Gefangenschaft in Ägypten, von Mose und dem Exodus über die Königszeit bis hin zum Exil in Babylon. Die Vision einer neuen Welt wird nicht zur Wirklichkeit und zum Ende des alten Testaments formiert sich die große Hoffnung, dass Gott – aus seinem Bund mit Israel heraus – neu handeln und seine Rettungsaktion vervollständigen wird.

Als das Volk in den letzten Jahrhunderten vor Christus zwar aus dem Exil heimgekehrt, aber nun Gefangener im eigenen Land ist und sich die Unterdrücker die Klinke in die Hand geben, nähren alte Verheißungen den Glauben, dass Gott eines Tages sein Volk rettet und sein Königreich endgültig aufrichten wird – durch einen Mann, der den Titel „der Menschensohn“ trägt.

Eines Tages wird ein wahrer König, der Gesalbte (Messias) Gottes, erstehen und er wird endlich Gerechtigkeit aufrichten. Er wird den zerstörten Tempel in seiner alten Pracht wieder aufrichten und so wieder echte Spiritualität ermöglichen. Er wird die  Thora, das Gesetz Gottes, durchsetzen und so menschliches Zusammenleben und gesunde Beziehung realisieren und nicht zuletzt wird durch ihn sogar ein ganz neuer Kosmos heraufgeführt, in dem Leben in Harmonie und Schönheit möglich ist.

Doch einige jüdische Propheten sehen vorher noch etwas merkwürdig anderes kommen. Ein letztes schockierendes Exil und die Rückkehr daraus steht noch vor dem Anbruch von Gottes Reich aus: der König wird (bei Jesaja) zum leidenden Knecht, der das Schicksal des ganzen Volkes auf sich nimmt und darunter zusammenbricht. „Das Rettungsboot läuft zur Rettung aus, und der Kapitain ertrinkt dabei. (…) Dies, so scheint es, ist der Weg, auf dem Gottes Rettungsoperation ausgeführt werden muss.“

Teil b) der Geschichte im nächsten Post.

Verfasst von: Christoph | 15. September 2009

NT Wright – Simply Christian I

simplychristianDas erste auf deutsch veröffentlichte Buch des Neutestamentlers N.T.Wright trägt den Titel „Warum Christ sein Sinn macht„. Entlockt dem eigentlich geneigten Leser dies schon ein müdes Gähnen, veranlasst die Covergestaltung den Betrachter zum entsetzten Kopfschütteln und mich dazu, lieber die englische Ausgabe hier abzubilden, um den Post nicht grafisch zu verschandeln. Wer’s nicht glaubt, kann sich hier ein Bild machen.

In der Tat spiegelt das grausige Äußere in keiner Weise den genialen Inhalt wieder, den der Autor auf den 230 Seiten entfaltet. Wright erinnert in seiner gewandt-intelligenten Gedankenführung an C.S.Lewis und in seiner gesellschaftlichen Relevanz an viele junge christliche Autoren, die – und das macht die Lektüre so spannend – direkt oder indirekt tatsächlich von Wrights theologischem Ansatz geprägt sind (Rob Bell, McLaren u.a.).

Es passiert nicht oft, dass die Lektüre eines Buches, das dir im Prinzip erklärt, was du schon weißt, derartig den Horizont erweitert.

In den folgenden drei Post gibt’s eine recht ausführliche Zusammenfassung, die das Selber-Lesen durchaus nicht überflüssig macht.

Teil 1: Vier Echos einer Stimme

Im ersten Drittel beschreibt Wright vier Sehnsüchte, die dem postmodernen (und wohl nicht nur diesem!) Menschen gemeinsam sind. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die Suche nach Spiritualität, den Hunger nach Beziehungen und die Freude an Schönheit. Man kommt beim Lesen nicht umhin, ihm mehr und mehr beizupflichten: in der Tat sind es diese vier, die menschenwürdiges Leben und erfülltes Sein ausmachen … ausmachen würden, muss man berichtigen, denn alle vier Bereiche erleben wir tragischerweise nur in ihrer Unvollkommenheit und Gebrochenheit. Wright stellt im ersten Teil die Frage: Könnten diese Sehnsüchte Echos einer Stimme sein, die ims immer aus der selben Richtung erreicht und die letztlich ein Hinweise auf Gott sein könnte?

1. Sehnsucht nach Gerechtigkeit: Wir alle wollen sie, oft vermissen wir sie, selten erleben wir sie. Erfahrene Ungerechtigkeit im Kleinen (Unfairness zwischen Kindern im Sandkasten) sowie im Großen (Systematische Gewalt brutaler Tyranneien) halten den Traum nach einer besseren Welt in uns wach und ersticken ihn gleichzeitig fast. Menschen verletzen Menschen auf grausamste Weise und kommen davon, Natur-Katastrophen vernichten Hunderte, ohne das man einen Schuldigen benennen kann, Schwache werden ausgebeutet und Betrüger werden reich und trotz aller rechtsstaatlicher Anstrengung und ziviler Courage bekommen wir die Sache nicht ins Lot. Etwas in dieser Welt ist auf eine scheußliche Art und Weise nicht in Ordnung.

Daneben erleben wir ab und zu auch den Triumpf der Gerechtigkeit. Mutige Menschen gründen soziale Projekte und stürzen Diktatoren. Wir sehen: es gibt Gerechtigkeit – und doch wissen wir genauso sicher: es gibt sie niemals dauerhaft.

Wie kommt es, dass wir alle uns so sehr nach einer besseren Welt sehnen und sie trotz Anstrengung doch nicht etablieren können und darüber hinaus noch erleben, dass die Grenze zwischen gerecht und ungerecht nicht zwischen uns und den anderen verläuft, sondern mitten durch unsere eigenen Herzen geht, da wir selbst oft ganz anders handeln, als wir es wollen und von anderen erwarten?

Ist der Traum von Gerechtigkeit wirklich nur ein fanstastischer Traum, den zu träumen illusorisch und naiv ist? Sollte er schnellst möglich begraben werden, um dieses Leben einigermaßen akzeptabel zu überstehen? Oder könnte die Sehnsucht nach Gerechtigkeit das Echo einer Stimme sein, die uns jemand „ins Ohr flüstert, jemand, der sehr um diese gegenwärtige Welt und um uns selbst besorgt ist“, jemand, der diese Welt als gute Welt geschaffen hat?

2. Suche nach Spiritualität

Unsere westliche Gesellschaft hat uns seit etwa 200 Jahren größtenteils zu aufgeklärten Materialisten erzogen, die Religion und Glauben im alltäglichen Leben maximal noch eine kleine Nebenrolle zugestehen. Spiritualität war out, der Sinn des Lebens musste im materiellen Diesseits gefunden werden (auch wenn man dies nur für den „Westen“ so sagen kann – in Asien, Afrika und Südamerika hat die Säkularisierung niemals in diesem Maße Fuß gefasst).

„Aber die Zeichen mehren sich, dass wir über diese Denkweise nicht mehr so glücklich sind.“ Ein ungeahntes Interesse nach Berührung mit einer größeren Welt und übernatürlichen Dimensionen flammt allerorten auf. Die Sparten „Religion und Esoterik“ in den Buchläden quillen über von Literatur, die reißenden Absatz findet. Menschen suchen an allen möglichen un unmöglichen Orten nach einem tieferen Sinn und Verbindung mit einer größeren Geschichte.

Ist das neue erwachte Interesse nach Spiritualität ein Hinweis darauf, dass dem Menschen ohne Gott (wobei „Gott“ hier noch alles meint, was man unter einer transzendenten Wirklichkeit verstehen kann) etwas fehlt? Etwas, dass nicht nur seiner Fantasie entspingt, sondern das real ist? Hat unsere Suche ihre Ursache darin, dass wir das Echo einer Stimme wahrnehmen, die uns tatsächlich ruft?

3. Hunger nach Beziehung

Trotz Scheidungraten, millionenfachen Enttäuschungen und zwischenmenschlichen Dramen bleibt eines ungebrochen: unser Hunger nach Beziehung. „Wir wurden füreinander geschaffen“ sagt die Liebe immer noch, auch wenn das Leben diese Aussage oft nach wenigen Jahren wieder zu revidieren scheint. Beziehung zu gestalten ist zweifellos eine der schwierigsten (nicht selten gar unerfüllbaren) Herausforderungen des Lebens und doch fühlen wir uns genau dazu berufen.

Nicht nur die intime Beziehung einer Partnerschaft, auch das weiter gefasste Zusammenleben der Menschen in Gemeinschaften und Staatsformen scheint zu oft zum Scheitern verurteilt bzw. gestaltet sich viel mühsamer, als wir angenommen hatten. Liebe zu ständig vom Zerbruch bedroht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und er kann nicht ohne Beziehung leben und so muss er neben dem Glück der Liebe auch die Tränen ertragen, die Beziehungen mit sich bringen, spätestens wenn der Tod sie zerstört.

„Wenn wir (…) tatsächlich wissen, dass wir für Beziehungen geschaffen wurden, und wenn wir gleichzeitig Beziehungen so schwierig finden, dann könnten wir dieses doppelte Wissen als ein weiteres Zeichen verstehen, das in dieselbe Richtung weist wie die beiden bereits untersuchten. Die Berufung zur Beziehung und der traurige Tadel für unser Versagen in Beziehungen können zusammen als Echo einer Stimme gehört werden. Die Stimme erinnert uns daran, wer wir wirklich sind. Sie könnte uns vielleicht sogar eine gewisse Rettung aus unserer misslichen Lage bieten.“

4. Freude an Schönheit

Die Welt ist voller Schönheit, aber wieder: die Schönheit ist unvollkommen. Sie zerinnt uns, kaum nehmen wir sie wahr, zwischen den Fingern. Je schöner der Augenblick, desto größer die durch sie geweckte Sehnsucht nach mehr. Und die Schönheit der großen Naturwunder gibt es nie ohne die Zerrissenheit des Todes: das Meer, das wir bewundern, hat Menschenleben verschlungen – das Naturschauspiel einer Lawine begräbt ein Dorf – majestätische Klippen wurden Kletterern zum Verhängnis und ein Löwe ist nur so lange ein schönes Tier, wie er dich nicht zwischen den Zähnen hat.

Obwohl Schönheit der Natur oder auch menschliche Kreativität ein Hinweis über sich hinaus sein kann und mancher sein Staunen über die Erhabenheit derselben eine religiöse Erfahrung nennt, ist die Schönheit allein kein direkter Zugang zu Gott. Die Annahme eines Schöpfergottes als Ursprung aller Schönheit ist nur eine Möglichkeit der Deutung, nicht die einzige. Gerade die Vergänglichkeit des Schönen und Erfahrung der hässlichen Seite des Lebens könnte auch genau den gegenteiligen Schluss nahe legen.

Doch zusammen mit den anderen dreien könnte auch die Schönheit erkannt werden als das Echo einer Stimme, die das GUTE ins Leben rief und eine Welt wiederherstellen möchte, die man rundum eine „sehr gute“ nennen könnte.

Vier hartnäckige Stimmen, die die Hoffnung wachhalten und dem Menschsein ihre Würde verleihen, und die doch nach Erklärung schreien, wollen wir nich an ihnen verzweifeln

Im zweiten Teil beschreibt Wright die christliche Story von Gott und der Menschheit, die – wenn sie Wahrheit für sich beanspruchen möchte – die vier genannten Sehnsüchte erfüllen und Sinn in diese großen menschlichen Fragen bringen müsste.

Verfasst von: Christoph | 16. August 2009

Eine zögerliche Vision für ein wildes Volk

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Ich habe nach etwas Suchen einen Luther-Text ausgegraben, von dem mir dunkel in Erinnerung war, das der gute „Junker Jörg“ hier eine Vision von Kirche formuliert hat, die beinahe freikirchlich klingt. Nun, ich muss nach erneutem Lesen sagen, sie klingt sogar nach einem Traum von einer Art Hauskirchenbewegung. Es klingt fast nach inkarnierender Kirche à la Frost/Hirsch. Es klingt gesellschaftstransformatorisch à la Johannes Reimer. Der Mann war nicht dumm … ohne Zweifel nicht.

Aus: Vorrede zur „Deutschen Messe“ (1526) in H.Fausel, „D. Martin Luther“, Band 2, Seite 125f

„Es gibt aber drei verschiedene Arten des Gottesdienstes und Messe: Erstlich: eine lateinische… [es folgt ein Abschnitt darüber, dass Luther diese Form beibehalten will]Zum anderen ist da die Messe und der Gottesdienst auf deutsch … [worunten Luther so eine Art SeakerService versteht] … Die dritte Weise dagegen, welche die rechte Art der evangelischen Ordnung haben sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz unter allerlei Volk geschehen, sondern diejenigen, welche mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Hand un Mund bekennen, müßten sich mit Namen einzeichnen und irgendwo in einem Haus allein sich versammeln, um zu beten, zu lesen, zu taufen, das Sakrament zu empfangen und andere christliche Werke zu üben. In dieser Ordnung könnte man die, die sich nicht christlich hielten, erkennen, rügen, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi Matth 18,15 ff. Hier könnte man auch den Christen eine gemeinsame Liebesgabe auflegen, die man freiwillig gäbe und unter die Armen austeilte nach dem Vorbild des Paulus 2 Kor 9,1. Hier brauchte man nicht viel und lang zu singen; hier könnte man auch eine kurze, feine Form für die Taufe und das Sakrament einführen und alles auf’s Wort und Gebet und die Liebe richten. Hier müßte man einen kurzen, guten Katechismus haben über den Glauben, die zehn Gebote und das Vaterunser. Kurz, wenn man die Leute und Personen hätte, die mit Ernst Christen zu sein  begehrten, – die Ordnungen und Formen wären bald geschaffen. Aber ich kann und mag noch nicht eine solche Gemeinde oder Versammlung ordnen oder einrichten. Denn ich habe noch nicht die Leute und Personen dazu; ebenso sehe ich auch nicht viele, die darnach verlangen. Kommt’s aber so weit, das ich’s tun muß und dazu gedrängt werde, daß ich’s mit gutem Gewissen nicht lassen kann, so will ich das Meine gerne dazu tun und, so gut ich vermag, helfen. (…) Es könnte sonst eine Sektiererei daraus werden, wenn ich’s nach meinem Kopf erzwingen wollte. Denn wir Deutschen sind ein wildes, ungeschliffenes, unbändiges Volk, mit dem nicht leicht etwas anzufangen ist, außer wenn die höchste Not treibt.“

Sehe ich das richtig, dass der gute Martin hier

1. eine Art missionale Untergrundbewegung andeutet?

2. alles, was Kirche zur Kirche macht (beten, lesen, taufen, Sakrament, christl. Werke) in eine Hauskirche verlagern will?

3. persönliche Heiligung an gemeinsames Leben knüpft?

4. diesen kleinen Gruppen eine sozialmissionarische Stosskraft zutraut, wenn jeder sich (auch finanziell) beteiligt?

5. für einen einfachen Gottesdienst plädiert, ohne großen (musikalischen) Aufwand?

6. eine simple Form von Jüngerschaftsprogramm vor Augen hat?

Und sehe ich das richtig, dass er es nur deshalb nicht umsetzte, weil ihm die Leute und – zwischen den Zeilen-  der Mut dazu fehlte? Ein wildes Volk könnte eine schräge Sache aus einer guten Idee machen – ja, diese Sorge ist leider nicht ganz unbegründet. :-)

Verfasst von: Christoph | 8. August 2009

Liebesbrief von Thomas D

Hat schon was, wenn jemand mit Sprache umgehen kann.

Es hat 9 Jahre gedauert, bis mir dieser Song unter die Ohren kam (durch zufälliges Reinzappen ins „Heimspiel“-Konzert vor kurzem). Naja, die Fantastischen 4 sind jetzt auch sonst nicht so total meins …

Manche seiner Gedanken sind beinahe religiös – was heißt, beinahe?

Verfasst von: Christoph | 4. August 2009

Männer

Drei Männer und ein Tag in Würzburg.

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